Kapitel 7 11. August 1999, 6:00 Uhr, Balime „Wie sieht’s aus, Captain?“ fragte Leutnant Ritter, der stellvertretende Kommandant der Stadt. „Beschissen, wie sonst. Die stehen doch schon vor der Stadt.“ Tatsächlich wußte Captain Lyons nicht, ob Rebellen in der Nähe waren und ob sie sich überhaupt für das noble Balime interessierten. Wenn sie es aber taten stand die Besatzung der Stadt ziemlich alleine da. Nachdem die Rebellen Tixa erobert und sämtliche Gefangenen befreit hatten begann man im Nordosten mit dem Aufbau einer Gegenregierung. Deidrannas hatte die Kontrolle praktisch vollständig verloren, agierte nur noch in den Randgebieten. Zwar hatte die südliche Patrouilleneinheit das Gefängnis wieder besetzt, doch was änderte das? Die Gefangenen waren weg, viele arbeiteten jetzt schon wieder in ihrem Beruf, zum Beispiel als Lehrer. „Falls sie uns angreifen, sind wir hier auf verlorenem Posten.“ Leutnant Ritter fragte sich, ob sein Vorgesetzter noch hundertprozentig auf der Seite der Herrin stand. Natürlich, die Rebellen waren in der Offensive. Doch das würde nur vorübergehend sein. Dieser Haufen hergelaufener Söldner hatte nichts, mit dem er es mit Panzern und Elitesoldaten aufnehmen konnte. An Orta, Grumm und vor allem Meduna würden sie sich die Zähne ausbeißen. Und einer folgenden Gegenoffensive hätten sie dann nichts mehr entgegenzusetzen. Doch vor allem ‘hätte’ und ‘würde’ stand die Verteidigung Balimes an. Ritter glaubte fest an den Erfolg einer Gegenoffensive, zu seinem Kommandanten und vielen Kameraden hatte er weniger Vertrauen. Die Rebellen hatten zwar die Besatzung von Tixa bis auf den letzten Mann getötet und vor einem Monat in Alma einige Soldaten aufgeknüpft, dennoch ging das Gerücht um daß jeder Soldat, der sich freiwillig ergab und nicht an Morden, Vergewaltigungen oder Verstümmlungen beteiligt war, als Kriegsgefangener behandelt und nach dem Sieg der Rebellen freigelassen würde. Es ging auch das Gerücht um, Captain Gordon habe mit dem Rest der geflohenen Besatzung Cambrias von diesem Angebot Gebrauch gemacht. Jedenfalls war die zehnköpfige Gruppe spurlos verschwunden. Würde sich Balimes Besatzung ähnlich verhalten? Ritter war sich der Loyalität von Fähnrich Nivola sicher, der Sohn einer reichen Familie aus Balime war unerfahren, aber mutig, und wollte seine Stadt unbedingt gegen ‘dieses Lumpenpack’ verteidigen. Dagegen war der erfahrene Hauptfeldwebel Manetti ziemlich offen gegen Deidranna und rechnete jeden Tag mit dem Einmarsch der Rebellen. Die einfachen Soldaten warteten ab, doch da die Balimer Besatzung meist nicht in vorderster Front gestanden hatte hofften wohl viele auf das ominöse Angebot. Ganz anders sah es natürlich mit dem Elitesoldaten Dave Harris aus. Als Mitglied von Eileen Harrows’ Strafexpedition hatte er mit Sicherheit keine Chance, eine Gefangennahme lange zu überleben. Er war nur in Balime, um sich in der Apotheke mit Brandsalbe zu versorgen. Salbe für eine Brandverletzung, die er sich bei der Zerstörung einer Farm in der Nähe von Alma versehentlich zugezogen hatte. „Wir sind sechzehn Mann. Warum sollten wir auf verlorenem Posten sein?“ Der Kommandant antwortete ihm nicht. 11. August 1999, 10:00 Uhr, Balime (Museum) „Schöner Kelch. Kein Wunder, daß Mr. Klaus ihn haben will.“ „Sicher, Olga, aber wir sind ja nicht deswegen hier.“ antwortete Ray Baker. „Wir sind hier, um für Ordnung zu sorgen...“ „... weil man sich nicht ungestraft mit Kingpin anlegt. Ich weiß.“ „Allerdings hat er ja JEDEM zwanzigtausend Dollar geboten, der ihm den Kelch besorgt.“ gab Jack Remington zu bedenken, „Also sollten wir ihn an uns nehmen, wenn wir schon mal hier sind.“ „Aber auf keinen Fall darf einer erfahren, daß Kingpin ihn hat.“ sagte Tyrone, der Anführer des Teams. „Wenn wir mit diesen Armleuchtern fertig sind gewinnt Deidranna vermutlich den Krieg. Dann wird sie ihren Kelch suchen.“ „Kingpin hätte uns einen Vorschuß geben sollen,“ wechselte Jim Perry das Thema, „dann hätten wir den Hummer nicht versetzen müssen.“ „Wobei die tausend Mäuse pro Nase auch nicht zu verachten sind. Wer weiß, wann wir Geld von Kingpin sehen, immerhin suchen wir die Typen ja, weil sie seine Schatzkammer geplündert haben.“ „Olaf, du bist naiv!“ belehrte ihn Remington. „Das meiste Geld hat er natürlich im Ausland auf der Bank. Hier geht’s nur ums Prinzip.“ „Dann könnten wir ja im Prinzip, wenn die Rebellen angreifen, diesem Eldin den Hals umdrehen und den Kelch mitnehmen. Jeder hält die Rebellen für die Täter und wenn wir die umgelegt haben...“ „He, du bist ja gar nicht so dumm wie du aussiehst ... ähh, war nur ‘n Scherz!“ 11. August 1999, 10:30 Uhr, Balime Am liebsten hätte Jane Doherty auf den Angriff auf Balime verzichtet, doch die Sicherung von Arulcos Südostzipfel war strategisch wichtig. Mit einer Eroberung wäre die Straße von Meduna nach Alma unter Kontrolle, das war für den Marsch auf die Hauptstadt unverzichtbar. Die Rebellen kontrollierten mehr als die Hälfte des Landes, der letzte größere Angriff von Deidrannas Soldaten lag schon über eine Woche zurück. Da hatte die Patrouilleneinheit aus Alma einen Angriff auf ihre Stadt gewagt, eine reichlich dumme Aktion. Leider hatten sie zwei Milizionäre getötet, die Angreifer hatten fünf Tote, die Hälfte der Einheit, zu beklagen. Außerdem gerieten zwei von ihnen, darunter der Anführer, in Gefangenschaft. Dieser Offizier, der den Tod von sieben Männern verursacht hatte, fand sich am nächsten Tag vor einem Erschießungskommando wieder. Ansonsten ließen die Rebellen meist Gnade walten, Deidrannas Soldaten sollten ja zur Kapitulation ermutigt werden und nicht aus Angst um ihr Leben weiterkämpfen. Diese Strategie funktionierte auch recht gut, neben den Resten der Besatzung Cambrias ergab sich auch die Zentral/West-Patrouille (oder was davon noch übrig war). Dr. Michael Dawson war zusammen mit Ira in Omerta mit dem Wiederaufbau des Gesundheitswesens beschäftigt, eine Tätigkeit die beiden besser lag als der Kampf mit der Waffe. Die Befreiung von Breham Druz hatte sich als sehr nützlich erwiesen, zur Zeit war er gemeinsam mit Greg Duncan und Maddog in Estoni um die Benzinversorgung von Skyriders Hubschrauber zu sichern. Das war äußerst praktisch, auf dem Marsch nach Balime waren die Söldner in der Wüste von der östlichen Zentralpatrouille und der südöstlichen Patrouille in die Zange genommen. Sie konnten den Angriff abwehren, ein gewisser Leutnant Buchanan und drei Soldaten blieben tot zurück. Auf Seiten der Söldner wurde nur einer, Grunty, ernsthaft verletzt. Mit dem Helikopter konnte er nach Cambria ins Hospital gebracht werden, die anderen konnten ihren Weg fortsetzen. Die geflohenen und zum großen Teil verwundeten Soldaten hatten offenbar weniger Glück. Die blutenden Männer zogen die Bloodcats an, kurz vor Balime fanden die Söldner das, was die Tiere von den acht Soldaten übriggelassen hatten. Es waren nur noch ein paar Knochen. Jetzt lagen also zwölf Söldner vor Balime, bereit zum Angriff. Da das Gelände übersichtlich war, im Westen der Stadt gab es nur einige Villen und viel freie Fläche, hofften sie die Wächter mit weitreichenden Waffen schon aus der Ferne ausschalten zu können. ‘Wahrscheinlich hätte ich auf Lora hören sollen.’ dachte Armand Ricci. Seine junge Frau hatte schon vor Monaten gedrängt, das Land zu verlassen. Doch Armand mußte bleiben, gerade jetzt war für den Repräsentanten von Ricci Mining wichtig, im Lande zu sein. Lora hätte er natürlich ausfliegen lassen können, doch mit ihrer arroganten Art machte sie es nicht leicht, ihr Recht zu geben. „Schade, daß wir nicht in die Ricci-Villa können.“ bemerkte der Soldat. „Sicher, Kevin, aber bei den Newtons haben wir ja genügend Wein gefunden.“ antwortete Tim, sein Kamerad. „Und sonstige Wertsachen haben die doch alle mitgenommen.“ „Oder willst du an diese tolle Braut heran?“ fragte Zacharias, der Postenführer, „Die läßt sich doch noch nicht mal herab, jemand wie uns überhaupt zur Kenntnis zu nehmen.“ „Der Alte ist außerdem ein ziemlich hohes Tier.“ „Klar, sonst könnte er es sich ja auch nicht leisten, hier zu wohnen.“ „Trotzdem ist Balime ein ziemlich trostloses Kaff, hier gibt’s ja nicht mal ‘ne Kneipe.“ stellte Tim fest. „Wenn’s eine gäbe würden sie Leute wie uns ja doch nicht reinlassen. Gut, daß die meisten feinen Pinkel geflohen sind, da haben wir wenigstens ihre Vorratskammern für uns.“ „Okeeh, ‘s geht los.“ Grizzly sah den ersten Soldaten, der gelangweilt auf der asphaltierten Straße vor den schicken Häusern patrouillierte. Es war unmöglich, näher heranzukommen ohne bemerkt zu werden. „Soll ich ihn abknallen oder will’s einer mit ‘nem Schalldämpfer probieren?“ „Mach du nur, hoffentlich kommen die anderen dann angerannt!“ antwortete Jane. Die Söldner lagen gut gedeckt zwischen einigen Palmen, sie würden kaum unentdeckt bis zu den Häusern kommen. Wenn sie Glück hatten waren diese Soldaten genauso unerfahren wie die meisten ihrer verblichenen Kameraden und ihre Zahl ließ sich ein wenig reduzieren bevor sie begriffen, was geschah. Grizzly schaltete die M-14 auf Einzelfeuer und gab zwei Schüsse auf den Oberkörper des Mannes ab. Dieser griff sich an die Brust, sank auf die Knie und kippte tot vornüber. Tatsächlich erschien am Eingang der Villa direkt vor den Angreifern ein weiterer Soldat, Igor feuerte sein Barett auf ihn ab. Doch das Projektil traf nur einen großen Stein am Eingang, der Gegner warf sich zu Boden und war nicht mehr zu sehen. Wenig später sahen ihn Jane und Hitman noch einmal kurz, als er sich zur Villa zurückzog. Beide schossen, trafen vermutlich auch, doch mit Sicherheit nicht tödlich. Ein anderer, der hinter der Hecke auf der linken Seite des Hauses auftauchte, wurde ebenfalls von Jane und Hitman beschossen. Allerdings verschwand er sofort wieder und war, wenn überhaupt, nur leicht verletzt. „Bleibt in Deckung!“ brüllte Sergeant Torres seinen Soldaten hinterher. Er sah wie sich Corporal Franklin gerade noch in Deckung werfen konnte, nachdem er blindlings vorgestürmt war. Zum Glück waren am Eingang der Villa etliche große Steine. „Wie’s scheint sind die doch nicht so dämlich.“ stellte Peter Sanderson fest. „Was machen wir?“ „Ich, du, Bull und Grizzly...“ antwortete Jane, „...wir nehmen uns erst mal das Gebäude dort vor.“ Sie zeigte auf ein graues Anwesen direkt am Strand. „Hoffentlich kommen wir unbeschadet dort hin.“ „Wenn du nichts dagegen hast, komme ich auf mit.“ schlug Barry Unger vor. „Vielleicht gibt es ja Fallen an der Tür...“ „Einverstanden! Die anderen bleiben in Bereitschaft, falls die Typen wieder auftauchen.“ Da krochen doch tatsächlich einige Gestalten auf die Villa der Newtons zu! „Die werden ihr blaues Wunder erleben! Tim, Kevin, die erwischen wir.“ Geduckt, die Waffen im Anschlag, rannte die dreiköpfige Patrouille auf die Angreifer zu. Der Postenführer eröffnete das Feuer, seine beiden Untergebenen ebenfalls. „Einen hab’ ich erwischt.“ freute sich Tim. Dennoch, alle drei waren keine besonders guten Schützen. Die Angreifer schossen trotz ihrer prekären Lage wesentlich genauer, auch wenn sie nur Kevin in die Weste und den Corporal an den Helm trafen. „Wir zieh’n uns ein paar Meter zurück.“ befahl dieser. „Zum Glück hab ich nicht mehr so viel Fleisch zum Wegschießen.“ Immerhin hatte Wolf ja einige Pfunde verloren, bevor er sich der Mission anschloß. Die Verletzung am linken Arm war nicht sehr tief, wenn er sich etwas vorsah konnte er sogar weitermachen. Die fünf Söldner krochen zum Strand, wie erwartet hatte das L-förmige Gebäude dort eine Tür. Sicher war es eine Art Privatstrand. An den Fenstern tauchte niemand auf, möglicherweise stand das Haus ja leer. Die Tür war jedenfalls mit einer Falle gesichert. Für Barry Unger waren natürlich weder Falle noch Schloß ein Problem. Hinter der Tür war die Küche, dahinter befand sich das Eßzimmer - und ein Soldat. „Darauf hab’ ich gewartet!“ Sofort richtete Bull die Waffe auf den Mann. Dieser ließ allerdings sofort sein Gewehr fallen und hob die Hände. Bull hätte ihn am liebsten trotzdem erschossen, doch aus Rücksicht auf Barry ließ er es bleiben. „Sind noch mehr im Haus?“ fragte Grizzly den Soldaten, „Und wage nicht uns zu belügen!“ „Ja, einer...“ stammelte er, „...bitte, er hat Familie...“ „Die hatten Deidrannas Opfer auch!“ antwortete Bull. „Ruf ihn, sag ihm, er soll sich ergeben!“ schlug Barry vor. „Chavo, sie sind in der Übermacht.“ rief der Soldat, „Wenn du dich ergibst, tun sie dir nichts.“ Wenig später waren beide gefesselt und fragten sich, ob ein Sieg der Armee oder der Rebellen besser für sie war. Inzwischen hatten die anderen sieben Söldner die erste Villa erreicht. Die Soldaten hatten sich offenbar ins oder hinters Gebäude zurückgezogen. Conrad löste zwar die Alarmanlage aus (Barry wäre das nicht passiert), aber er bekam die Tür auf. Gemeinsam mit Meltdown und dem Neuen, Iggy Palkov, drang er ins Haus ein. Gleichzeitig schlich Hitman mit Igor, Dimitri und Hamous im Norden am Gebäude vorbei. Plötzlich wurden sie beschossen, sie schossen zurück, doch niemand wurde getroffen. Die Soldaten rannten in Richtung Osten davon, vermutlich um sich in der eigentlichen Stadt Balime zu verschanzen. In der Villa und den anderen Villen waren keine weiteren Soldaten. Das hieß allerdings, der größte Teil der Besatzung war in der Stadt, denn bis jetzt waren gerade erst drei Soldaten außer Gefecht gesetzt worden. „Oh Gott, haben sie im Zoo wieder die Käfige offengelassen?!“ Lora Ricci mochte keine Soldaten im Haus und Rebellen schon gar nicht. ‘Sie redet sich noch um Kopf und Kragen.’ dachte Armand. Die Angreifer durchsuchten das ganze Haus nach Soldaten, zum Glück waren keine da. „Mama mia! Bleibt ganz ruhig...“ Vielleicht ließen sie sich ja mit etwas Geld freundlich stimmen. ... „Immerhin, zehntausend Dollar.“ zählte Jane, „Da haben wir ja das Geld für diesen gebrauchten Jeep wieder rein.“ Der Besitzer der kleinen Tankstelle westlich von Balime hatte ihnen das gute Stück verkauft, morgen sollte es fahrbereit sein. Da es eine Straße von Balime nach Alma gab könnten Menschen und Material sehr schnell transportiert werden, sobald Balime unter vollständiger Kontrolle war. „Wir werden gleich weitermachen, bevor die sich in der Stadt verschanzen. Hier gibt’s ja jetzt nichts mehr zu tun... He, Meltdown, wir wollen gehen!“ Norma Jessop war offenbar in einen heftigen Disput mit der Hausherrin geraten. „...Sie wissen wohl nicht, mit wem Sie reden. Ich bin Lora Ricci...“ „Und ich bin Norma Jessop, und wenn du doofe Pißnelke nicht augenblicklich...“ „Ach, Sie behaupten, eine Frau zu sein?!“ Jetzt war es genug, Meltdown packte Lora an den Haaren und zerrte sie in Richtung Badezimmer. „Weißt du, Pißnelke, ich kannte da mal eine Isabella Reitmann, Deidrannas Schwesterchen. Die hätte sich über ein Gesicht wie deines sicher gefreut!“ Als Norma Armands Rasiermesser in die Hand nahm wurde auch Lora Ricci klar, daß sie lieber den Mund gehalten hätte. 11. August 1999, 11:00 Uhr, Balime (Museum) „Verdammte Feiglinge!“ schimpfte Leutnant Ritter. „Wer hat euch erlaubt, euch zurückzuziehen?“ „Ich habe den Rückzug befohlen.“ antwortete Sergeant Torres. „Wir hatten keine Chance, es war zu gefährlich...“ „Gefährlich?! Sie sind Soldat, Mann! Ich sollte Sie auf der Stelle erschießen.“ „Lassen Sie den Blödsinn, Ritter!“ Captain Lyons war dazugekommen. „Lassen Sie uns lieber überlegen, wie wir hier herauskommen...“ „Wir sind nicht hier um herauszukommen, sondern um DIE herauszuwerfen. Ich schlage vor, diesen Feigling auf der Stelle zu erschießen.“ „Nein, verdammt nochmal. Sie unterstehen meinem Befehl...“ Ein Schuß fiel und Sergeant Torres brach tot zusammen. „...aber ICH nicht!“ Es war Dave Harris, der Elitesoldat. Lyons wollte zur Waffe greifen, da spürte er bereits den Lauf einer Waffe im Nacken. „Ich fürchte, ich muß Sie für einen Verräter halten.“ Natürlich stand auch Fähnrich Nivola auf Ritters Seite. „Fesselt den Kerl und schickt jeden verfügbaren Mann auf seinen Posten!“ befahl Harris, „Ich glaube nicht, daß noch einer widerspricht.“ ... „Was hast du mit ihr gemacht? Die schrie ja wie ein Schwein beim Schlachten.“ „Ich bin doch human, Jane, das weißt du doch.“ antwortete Meltdown, „Hinter einem großen Mann steht immer ein große Frau, habe ich mal gelesen. Ich denke, das trifft auch für kahlköpfige Männer zu.“ Jane grinste und war irgendwie erleichtert. „Psst! Da sind schon welche.“ Die Söldner schlichen sich aus nordwestlicher Richtung an das Museum heran. Sofort entdeckten sie den ersten Posten, der entdeckte die Eindringlinge auch. Vernünftigerweise ließ er sein Gewehr sofort fallen und hob die Hände. „Wenn die alle so brav sind haben wir zuviel Munition mitgeschleppt.“ Vielleicht kehrte ja endlich Vernunft ein und das Töten hatte ein Ende, hoffte Jane. Ein anderer Soldat war weniger vernünftig, er gab einen Schuß ab und verschwand wieder zwischen dem Museum und dem kleinen Haus daneben. Der nächste machte es genauso. Beide hatten allerdings nichts getroffen. Ein dritter bezahlte diese Strategie mit seinem Leben, Iggy durchlöcherte ihn mit seiner AKM. „Verdammt, entweder erschießen die uns, oder dieser Harris tut’s!“ stellte der Soldat fest. Sie waren zwischen Museum und Apotheke eingeklemmt. „Halt die Klappe und schieß weiter!“ befahl der Corporal. Da traf ihn selbst eine Kugel. Es war zwar nur ein Streifschuß, doch langsam bekam auch er es mit der Angst zu tun. Gleich darauf erwischte den Soldaten eine Kugel an der Schulter. „Feind ahoi!“ rief Igor. Gedeckt von der kleinen Mauer, die ganz Balime umschloß, versuchte sich ein Soldat aus östlicher Richtung heranzuschleichen. Er nahm ihn sofort unter Feuer, auch Dimitri schoß, doch der Mann gab kein gutes Ziel ab. Immerhin kamen Bull, Wolf und Conrad zu Hilfe. Die Soldaten schienen sie in die Zange nehmen zu wollen. Schließlich konnte Dimitri den Mann mit einem Schuß in den Arm außer Gefecht setzen. „Da sind bestimmt noch mehr!“ „Das werden wir gleich sehen.“ Bull schaute vorsichtig um die Ecke, sofort schoß jemand auf ihn. Igor kroch an Bull vorbei und schaffte es, dem Schützen eine Barettkugel ins Bein zu jagen. Ein anderer wollte ihm zu Hilfe kommen, doch als ihm die Kugeln um die Ohren flogen ließ er es lieber bleiben. Endlich tauchte Entsatz auf! Ein Soldat nahm die Rebellen unter Feuer und erlaubte es den beiden Verwundeten, sich um die Ecke des Museums zurückzuziehen. Er war gut, gemeinsam mit einem Kameraden hielt er die Rebellen eine Weile auf Distanz. Dann zogen sich alle vier in Richtung Museumseingang zurück. Meltdown hatte das Dach des kleinen Hauses, es war wohl eine Apotheke, erklommen. Schließlich konnten die Söldner ja nicht einfach um die Ecke laufen ohne zu riskieren, um selbige gebracht zu werden. Die Soldaten hatten das Weite gesucht, dafür entdeckte sie einen im Foyer des Museums. Sie jagte eine Salve ihrer C7 durch das Fenster und tötete ihn auf der Stelle. „In Momenten wie diesen, da weißt du wofür du lebst!“ Aber manche Söldner hatten halt nicht die richtige Einstellung. „Wir müssen den Scharfschützen auf dem Dach erledigen. Tim, schaffst du das?“ „Nur mit sehr viel Glück, Corporal.“ „Versuch’s trotzdem! Kevin und ich geben dir Rückendeckung.“ ‘Nur weil ich einen getroffen habe halten die mich für einen Meisterschützen!’ Tim war nicht besonders glücklich über diese Aufgabe, der Angreifer auf dem Dach war mit Sicherheit ein besserer Schütze. Als hätte er es geahnt, natürlich traf er nicht. Statt dessen schlugen die Kugel direkt neben ihm ein. Schnell kroch Tim zurück, Kevin folgte ihm. Sein Postenführer folgte nicht. Er war tot. ‘Das geht alles zu schnell.’ dachte Jim Perry. Jack war noch im Museum, solange die Soldaten da waren konnte er den Plan nicht durchführen. Aber Remington war ja ein alter Hase, der fand schon einen Weg. Jim kauerte hinter der Mauer am Nordrand von Balime. Er sollte auf Jack warten, mehr hatte ihm Tyrone nicht befohlen. Wenige Meter von ihm entfernt waren einige der Söldner. War das ein russischer Akzent? Hinter einem Russen war Kingpin ja ganz besonders her, sein Kopf war mehr wert als dieser Kelch. Sollte er ihn sich holen? Warum nicht, schließlich hatte niemand Tyrone offiziell zum Chef ernannt? Er war nicht so ein cleverer Stratege wie Tyrone, nicht so erfahren wie Jack, kein so guter Schütze wie Olga... Aber er würde den wichtigsten Söldner erledigen. Er machte die Vakuumgranate scharf, hielt sie in der linken Hand während er die Maschinenpistole entsicherte. Er stand auf und jagte dem Russen einen Feuerstoß in den Leib. Er stutzte, der Russe sah anders aus als beschrieben. Es war jetzt eigentlich egal, doch er verlor dadurch einen wichtigen Sekundenbruchteil. Einen Sekundenbruchteil, der es einem Burschen namens Hamous erlaubte, den Abzug seiner SPAS-15 zu betätigen. Den letzten Sekundenbruchteil seines Lebens. Conrad Gillitt hechtete über die Mauer, zum Glück war die Granate auf der anderen Seite explodiert. „Er ist tot. Aber er ist kein Soldat.“ Hamous drehte Igor auf den Rücken. Doch da war nichts mehr zu machen, die Salve aus nächster Nähe hatte die Weste durchschlagen und die Lunge völlig zerfetzt. „Schade, daß wir nix wissen, wer Rotten Man geschickt hat. Ivan Dolvich wird es wissen wollen. Und ihn töten!“ Die verbliebenen Männer rückten weiter vor. Am Fenster eines Ladens stoppte Dimitri und blickte hinein. Im Geschäft war niemand, doch davor entdeckte er einen Gegner. Dimitris Kugeln gingen quer durch den Laden, gleich zwei Fensterscheiben gingen zu Bruch. Der Soldat bemerkte den Angriff erst als die Geschosse in seinem Körper einschlugen. ... „Ich glaube, sie haben sich alle ins Museum verzogen.“ stellte Meltdown fest. Die Häuser waren feindfrei. Es gab nur vier Tote und zwei Gefangene. Im Museum mußten also noch mindestens doppelt so viele sein. Sie konnten aber nicht heraus, die Söldner konnten die Stadt in Ruhe erforschen. Es gab zahlreiche nützliche Geschäfte, sogar einen Mann der unter anderem mit Waffen handelte. „Was machen wir? Räuchern wir sie aus?!“ „Was machen wir?“ fragte Fähnrich Nivola, „Wir können ja nicht hier drin bleiben bis Verstärkung kommt.“ „Falls überhaupt welche kommt.“ warf Feldwebel Manetti ein. Geiseln gab es auch keine im Museum, der einzige Besucher hatte das Gebäude verlassen als die Soldaten hereinstürmten. „Machen Sie mich endlich los!“ befahl Lyons, der immer noch gefesselt war. „Wir stürmen alle gleichzeitig los und machen sie fertig, schließlich sind wir ja noch über ein Dutzend.“ schlug Harris vor. Einschließlich der beiden Verwundeten, der Sanitäterin und des gefesselten Kommandanten waren sie sogar sechzehn Soldaten. „Das ist glatter Selbstmord! Wir sollten uns ergeben...“ sagte einer der Männer. Weiter kam er nicht, Harris jagte ihm eine Kugel in den Kopf. „Ist noch jemand seiner Meinung?!“ Jack Remington hatte das Museum eilig verlassen als immer mehr Soldaten hinein flüchteten. Den Kelch hatte er sich noch nicht sichern können, doch jetzt ergab sich eine andere Möglichkeit. Der größte Teil der Söldner hatte sich vor dem Eingang versammelt und beriet, wie sie weiter gegen die Soldaten vorgehen konnten. Vielleicht wollten sie Feuer legen oder ein Loch in die Mauer sprengen. Für den Zivilisten Jack Remington hatten sie jedenfalls kein Auge, also konnte er unbemerkt um eine Ecke verschwinden und sich mit dem Inhalt seiner Reisetasche beschäftigen. Er machte die AK-74 bereit und holte die Granaten hervor. Wenn alle schön auf einem Haufen standen könnte er gründlich aufräumen. Schade, daß seine Kameraden nicht da waren, aber er schaffte das schon allein. „Ja, ich bin seiner Meinung.“ sagte Kevin. „Verräter!“ brüllte Leutnant Ritter und richtete seine Waffe auf den Soldaten. Dann ging alles sehr schnell: Tim war zwar kein sehr guter Schütze, aber besser und vor allem schneller als Ritter war er. Bevor Harris reagieren konnte hatte das Skalpell der Sanitäterin im Hals, gleichzeitig jagte Manetti dem Fähnrich fünf Geschosse aus seiner AKM in den Bauch. Die Besatzung Balimes hatte sich fürs Überleben entschieden. „Ihr Deppen solltet nicht die gleichen Anzüge tragen!“ Der Lauf einer C7 richtete sich unmißverständlich auf Jack Remingtons Kopf. „Und natürlich solltet ihr auch aufpassen, was hinter euch passiert!“ „Okay, Arschloch, wer schickt euch?“ ‘Sie sagte EUCH’, schoß es Jack durch den Kopf. Da hatten sie also Jim Perry auch entdeckt. „Ich bin nur hier, um euch eine Nachricht von Kingpin zu überbringen.“ „Eine Nachricht, mit einer Tasche voll Granaten...“ „Ich habe nichts persönliches gegen euch, aber ihr habt Kingpin ziemlichen Ärger gemacht.“ „Kingpin also...“ sagte Jane, „hätten wir uns eigentlich denken können.“ „Was bist du denn, ein Profikiller?“ fragte Meltdown, „Wohl ein bißchen eingerostet!“ „Wieviele von eurer Sorte gibt’s denn?“ wollte Jane wissen. „Sechs.“ „Also ohne dich und den anderen Typen noch vier?“ „Ja.“ Also hatten sie Jim erwischt. „Die kriegen wir schon noch...“ „Ich habe euch alles gesagt was ich weiß. Ihr solltet mich gehen lassen...“ „Klar darfst du gehen - über ‘n Jordan!“ 14. August 1999, 23:00 Uhr, Balime „Lawrence, Lawrence... - der hat doch schon Drassen an die Rebellen verloren.“ stellte Wanda Cole wenig erfreut fest. Ausgerechnet Hauptmann Lawrence waren sie, Ralph Morris und der Rest der Besatzung der Raketenstellung jetzt unterstellt. Aber nach Maurice Duvalls Tod gab es die Spezialeinheit nicht mehr. Zwar stand Deidranna wohl noch in Verhandlungen mit A.I.M. und anderen Söldnerorganisationen, doch bislang ohne Ergebnis. Nach dem Verlust Balimes kochte Deidranna mal wieder vor Wut und auch die feinen Pinkel, die nach Meduna geflohen waren, machten Druck. Die Chancen für eine Rückeroberung waren nicht mal schlecht, es sollte von drei Seiten angegriffen werden und auf der vierten war das Meer. Leutnant Ketch marschierte mit den um Drassen herum agierenden Soldaten in Richtung Süden, wobei er Alma weiträumig umging. Er würde aus östlicher Richtung angreifen. Eileen Harrows kam mit ihren Elitesoldaten von Norden her und die Einheit von Lawrence hatte die Westseite übernommen. „Es wäre sicher besser, noch ein paar versprengte Soldaten aus dem Gebiet westlich von Alma dazuzuholen.“ sagte Ralph Morris, „Und in ein bis zwei Tagen könnte Verstärkung aus Grumm dasein.“ „Klar, aber Meduna will jetzt Taten sehen.“ Ralph beschloß, ganz vorsichtig zu sein. Bisher war jeder Plan irgendwie fehlgeschlagen, warum also nicht auch dieser. Wahrscheinlich würde Deidranna den Krieg verlieren, aber was machte das schon? Hier hielt ihn sowieso nichts mehr, also würde er sich halt später anderswo als Söldner verdingen. Von Cutter hatte er die Adresse einer Organisation, bei der schon zwei von dessen Freunden angestellt waren. Es schien allerdings, als sei Cutters Kontakt zu den beiden seit einigen Wochen abgebrochen. Die Truppenbewegungen waren den Söldnern nicht verborgen geblieben, Grund genug ein neues A-Team zusammenzustellen um die Gegend zu erkunden. Meltdown sollte die Gruppe anführen, Grizzly, Iggy, Dimitri, Maddog und Hamous waren dabei. Sie waren nicht das beste denkbare Team, anders ging es zur Zeit nicht. Nachdem Barry in der Nacht unbemerkt den Kelch aus dem Museum entwendet hatte brachte Skyriders Hubschrauber das gute Stück nach Chitzena. Wolf flog mit, da die Milizen im Nordwesten unbedingt inspiziert werden mußten. Auch wenn es in letzter Zeit ziemlich ruhig war rechnete man mit einem Angriff. Mit dem Eiswagen und dem neuerworbenen Hummer-Jeep konnten die Gefangenen nach Alma und einige Milizionäre nach Balime transportiert werden, außerdem Waffen und Ausrüstung. Jane Doherty blieb in Alma auf dem Trainingsgelände um weitere Milizionäre kampfbereit zu machen. Sobald der Südosten gesichert war sollte ja schließlich der finale Vorstoß erfolgen. Zu diesem Zweck wurden auch zahlreiche Panzerabwehrwaffen und Mörsergranaten bei Bobby Rays geordert, Biff Apscott nahm sie in Drassen in Empfang. Im Übrigen hatte Bull das Team verlassen, warum wußte niemand. (Außer Igmus, doch der ließ sich nichts anmerken. Sie hatten das Geld aus Kingpins Mine gerecht aufgeteilt: ein Drittel für die Mission, ein Drittel für Bull, ein Drittel für Iggy. Für den hochbezahlten Russen war das nur ein halber Monatssold, doch für Bull war es Grund genug, erst mal zu seiner Familie zurückzukehren und Urlaub zu machen.) Ansonsten waren die letzten Tage recht ruhig verlaufen, lediglich ein gewisser Ray Baker suchte seine beiden Kollegen. Dem Mann konnte geholfen werden! Obwohl der Funkkontakt zu Captain Harrows Truppe abgebrochen war hatte sich Lawrence wie geplant zum Angriff entschlossen. Die elf Soldaten bewegten sich langsam, mal geduckt und mal kriechend, in einer Linie auf die Villen im Westen Balimes vor. Von Nord nach Süd waren das einer der Sergeanten, ein Raketenspezialist (außerhalb seiner Raketenstellung eher nutzlos, aber Deidrannas Truppen waren schon zu sehr dezimiert), Wanda Cole, zwei reguläre Soldaten, Captain Lawrence, zwei weitere Soldaten, Ralph Morris, der andere Raketenassistent und der zweite Sergeant. „Rebellen voraus!“ Wanda legte ihre mit Schalldämpfer ausgerüstete Mac-10 auf den Mann an, da feuerte der Raketenfritze bereits das halbe Magazin seines Colt Commando auf ihn ab. Selbst wenn er richtig getroffen hätte müßte man ihn dafür ohrfeigen, aber der Gegner hielt sich nur den Arm und sprang in Deckung. Ade, Überaschungsangriff. Einer der Soldaten in der Mitte machte es besser, er schnitt einem völlig überraschten Milizionär die Kehle durch. Aber jetzt gab es ja keinen Grund mehr, leise zu sein. Der Sergeant links von Wanda erschoß einen besonders unaufmerksamen Rebellen. Tot hing der Bursche über der Begrenzungsmauer, immer noch ungläubig schauend. „Hinlegen!“ befahl Hauptmann Lawrence. Mit etwas Glück kamen einige Rebellen unvorsichtig herbeigerannt. „Achtet auf Deckung!“ brüllte Grunty den unerfahrenen Einheimischen hinterher. Gemeinsam mit Dynamo war er damit beschäftigt, die Leute im Schießen und in der Kampftaktik auszubilden, aber besonders weit waren sie noch nicht gekommen. Und Greg Duncan war ja eigentlich auch noch ein Schüler und kein Lehrer. Genau wie diese jungen Leute, meist waren sie gerade noch geflohen bevor ihre Farmen niedergebrannt wurden, war er heiß auf Rache und etwas kopflos. Also rannte er ihnen hinterher und hoffte, das schlimmste verhüten zu können. Hoffentlich konnten die sechs Mitglieder des A-Teams, die sich am Strand etwas weiter südlich für den bevorstehenden Einsatz ausgeruht hatten den Angreifern in die Flanke fallen. Grunty sah, wie etwa fünfzig Meter vor ihm ein Milizionär in den Lichtkegel einer Lampe geriet und in der gleichen Sekunde erschossen wurde. „Langsamer!“ Dieser Raketenheini und der Sergeant rückten viel zu schnell vor. Auch wenn ein paar von den Rebellen erledigt waren war es nicht weniger gefährlich. Vermutlich waren es einige Dutzend, abgesehen davon waren diese Söldner ein ganz anderes Kaliber als die Bauerntölpel. Als hätte es Wanda Cole geahnt ging der Sergeant mit einem Beinschuß zu Boden. Während Ralph Morris noch ein Ziel für seine Dragunov suchte warf einer der Soldaten eine Vakuumgranate dorthin, wo er die Rebellen vermutete. Ein mehrstimmiges Stöhnen zeigte, daß er getroffen hatte. Nicht schlecht, der Junge. Doch leider lagen die Opfer im Dunkeln, ein paar Soldaten versuchten es blindlings mit Dauerfeuer, doch ohne Erfolg. ‘Das kommt davon, du Idiot!’ dachte Wanda, als der Raketensoldat neben ihr plötzlich stehen blieb, sich den Bauch hielt und zu Boden sank. Das Blut schoß ihm aus dem Mund, die Rebellen hatten ihn voll erwischt. „Ich werde diese verfluchte Deidranna erwischen. Und nicht einmal der Tod wird mich davon abhalten.“ ‘Da sei dir mal nicht so sicher, Greg!’ dachte Grunty. Der deutsche Söldner legte sich flach auf den Boden und bewegte sich nur noch kriechend vorwärts. Irgendwo da vorn mußten die ersten Soldaten sein. „Da sind die feigen Rattenärsche!“ Maddog kam als erster um die Ecke des Anwesens und feuerte sofort seine AKM auf die Angreifer ab. Während er stehend schoß legte sich der weniger verrückte Iggy neben ihm lieber hin. Grizzly kam geduckt einigen Milizionären zu Hilfe. Diese konnten immerhin einen der Soldaten am Arm verwunden. Na also! Der Soldat schleuderte eine Splitterhandgranate auf die selbe Stelle. Vermutlich hatte es jetzt ein paar Rebellen endgültig erwischt. Ralph Morris war zufrieden, wenn es so weiter ging waren die Einheimischen ausgeschaltet bevor die Söldner eintrafen. Die Söldner schossen was die Läufe hergaben, doch die Feinde waren im Dunkeln schwer zu treffen. Außerdem mußten sie auf die Milizionäre aufpassen, die immer um unpassendsten Moment vor dem Visier auftauchten. Doch wenn es so weiter ging gab es bald keine Miliz mehr, gerade starb ein junges Mädchen das vor einigen Tagen als Dienstbotin in einem dieser Häuser gearbeitet hatte. Bis gestern hatte sie vermutlich noch nie ein Gewehr in der Hand gehabt, doch auch sie wollte die Unterdrücker für immer verjagen. Einer ihrer Kameraden warf eine Minihandgranate auf den Schützen, traf ihn allerdings nicht. Doch durch die Explosion war der Mann gut sichtbar, andere Milizionäre erschossen ihn. Auch die Söldner waren jetzt erfolgreicher, Dimitri konnte einem der Eindringlinge eine Salve ins Bein jagen. Einem anderen konnten Grizzly und Maddog in Gemeinschaftsarbeit das Lebenslicht ausblasen. Hamous kam nicht zum Schuß da eine niedergeschossene Milizionärin direkt auf ihm landete. Zum Glück trug sie eine Weste und wurde nur leicht verletzt. Meltdown sah zwei Soldaten dicht nebeneinander und warf eine Handgranate dazwischen. Allerdings erhob sich der vordere genau in diesem Moment, so daß er zerrissen wurde während sein Kamerad nur die Druckwelle zu spüren bekam. ‘Schwein gehabt!’ dachte Ralph Morris. Wäre der Sergeant unten geblieben wäre Ralph jetzt wohl auch tot. Doch daß sich das Blatt gewendet hatte zeigte sich spätestens, als ein weiterer Soldat mit einem Kopfschuß zu Boden ging. Vor allem weil dieser Soldat Captain Lawrence hieß. Also verschwand Morris lieber in der Dunkelheit und trat den Rückzug in Richtung Westen an. Die anderen Soldaten folgten ihm, soweit sie noch laufen konnten. Kurz darauf fielen noch einige Schüsse, jetzt hatte es wohl die verwundeten Soldaten erwischt. „Verdammt, verdammt, verdammt!!!“ Grunty betrachtete die Reste seiner Miliz. So viele Tote, so viele Verwundete. Und die meisten anderen waren völlig demoralisiert. Nur vier wollten weitermachen. „Was machen wir?“ fragte Hamous. „Was schon, wir jagen die Schweine!“ antwortete Meltdown. „Gut.“ sagte Grizzly, „Aber die hier haben erst mal genug, wir sollten uns zuerst die vornehmen, die im Osten herumschleichen. „Hab’ ich‘s nicht gesagt?“ fragte Ralph Morris. Es mußte ja so kommen, daß der Kontakt zu Eileen Harrows’ Truppe nicht zustande kam war mit Sicherheit kein Zufall. Leutnant Ketchs Einheit hatte ohne die Elitesoldaten nicht angegriffen und Lawrence’ Truppe hätte es auch bleiben lassen sollen. So hatten außer Ralph und Wanda hatten nur noch zwei Soldaten überlebt. Doch wo steckte die Eliteeinheit? Rückblende: 14. August 1999, 4:20 Uhr, Farm zwischen Alma und Balime Elitesoldat Ken Parson lag im Südosten der Farm. Links von ihm befand sich der Stall, in dem sogar noch ein paar Kühe muhten und eine Kuhglocke schepperte. Der Hof war also noch bewohnt und versprach hoffentlich fette Beute. In letzter Zeit war die kleine Truppe nur noch auf verlassene Farmen getroffen, die meisten Bauern waren in die von den Rebellen kontrollierten Städte geflohen. Alles was wertvoll war nahmen sie natürlich mit, auch die wenigen Tiere. Heute würde es also Rinderbraten geben, und mit etwas Glück auch eine schöne Farmerstochter, die in ihrer Verzweiflung alles tat um ihr Leben zu retten. Natürlich würde es ihr nicht gelingen, aber bis dahin hatten die Soldaten eine Menge Spaß... Direkt vor Parson stand ein schrottreifer Jeep, das Gebäude dahinter schien die Scheune zu sein. Durch den schmalen Spalt zwischen Stall und Scheune konnte er das Wohnhaus, in dem schon Licht brannte, erahnen. Es war noch stockdunkel, aber alle Soldaten waren ja mit Nachtsichtgeräten ausgerüstet. Eigentlich waren sie auf dem Weg nach Balime, doch es war noch genug Zeit und diese Farm lag einfach zu günstig am Wege. Heute abend stand ein schwerer Kampf bevor, dagegen war das hier nur eine Übung. Vorsichtshalber erfolgte der Angriff aber dennoch von drei Seiten. Drei von der Frontseite, also aus westlicher Richtung. Die beiden Scharfschützen sicherten ebenfalls im Westen, nur hier hatten sie freies Schußfeld. Je zwei durch die Lücken zwischen Scheune und Stall beziehungsweise Scheune und Wohnhaus. Mit Ken würde Steve Tanner vorrücken, ein noch recht junger Mann, dem die Brutalität der anderen offensichtlich schwer zu schaffen machte. Cutter zog den Burschen gern auf, doch er war ein hervorragender Kämpfer und in einer Schlacht wie der bevorstehenden Rückeroberung Balimes würde Ken ihn gern an seiner Seite haben. Parson selbst war fast zehn Jahre älter und hatte mehrfach wegen Vergewaltigung eingesessen, bevor man ihn direkt aus dem Gefängnis für die Elitetruppe anwarb. Im Ernstfall war er auf Leute wie Steve, Sergeant Slater oder Tex und Diego, den beiden Scharfschützen, angewiesen war. Als Kämpfer war Ken Parson keinesfalls elitär. 4:30 Uhr. Jetzt mußten alle in Position sein, Captain Eileen Harrows meldete sich über Funk. „Alpha, erbitte Statusbericht!“ „Bravo, bin hinterm Scheißhaus. Bereit.“ meldete sich Slater. „Cutter, neben dem Haus. Messer gewetzt.“ „Alpha, das heißt CHARLIE.“ „Charlie, meinetwegen.“ „Delta, bin hinter den Strohballen in Bereitschaft.“ „Echo, habe das Scheunentor im Visier.“ „Foxtrot, Wohnhaus im Visier, niemand zu sehen.“ Golf gab es nicht, Dave Harris war beim Rebellenangriff in Balime gewesen und vermutlich tot. Parson war dran: „Hotel, bereit.“ „India, bereit.“ „Josie - äh, Juliett, bereit. Scheißbuchstabieralphabet...“ Eduardo Estevez hatte sich geweigert, seine Farm zu verlassen. Er hatte zwar Frau und Kind nach Alma geschickt, er selbst wollte die Soldaten notfalls mit der Schrotflinte oder der Mistgabel fertigmachen. Nicht einmal Hector Perez konnte ihn umstimmen, also machte er aus der Not eine Tugend. Die Söldner waren beschäftigt, auch die Miliz konnte nicht genügend Männer abstellen um es mit einer Eliteeinheit aufzunehmen. Die Verteidigung der Städte hatte absoluten Vorrang. Andererseits konnte es so nicht weitergehen. Wenn die Einheit, die offenbar für die meisten verwüsteten Bauernhöfe verantwortlich war, so weitermachte, ging der Rest der kargen Ernte auch noch verloren. Also, was war zu tun? Irgendwann würden sie kommen, das war sicher. Estevez hatte einen Fluchttunnel angelegt, so konnte er notfalls vom Haus in den nahen Wald fliehen. Hector kannte einen irischen Sprengstoffhändler namens Devin Connell, der gelegentlich in San Mona oder Drassen seine Ware anbot. Als er in Drassen auftauchten nahmen ihn die Milizionäre kurzerhand fest. Mehr oder weniger freiwillig ließ sich Connell für die Rebellenbewegung rekrutieren und kam zusammen mit Hector Perez auf die Farm. Als der Ire wieder ging waren einige Überraschungen an den hoffentlich richtigen Stellen. Hector blieb bei Eduardo, als einzige Unterstützung. Beide hatten Nachtsichtgeräte und Lauschmikros, Hector verfügte über eine Mac-10 mit Schalldämpfer und ein C7-Sturmgewehr. Außerdem hatte er zwei Handgranaten dabei. Estevez, der kein guter Schütze war, hatte lediglich die Doppelflinte durch eine SPAS-15 ersetzt. Er war im Wohnhaus, während Hector im Stall Wache hielt. Es war die vierte Nacht, in der sie so warteten, und es war etwa halb fünf, als die Kuhglocke leise schepperte. Das war Hector, die Kühe trugen gar keine Glocken. Es ging also los. Foxtrot, Golf, Hotel - wer läßt sich solche Namen einfallen? ‘Und wieso mache ich mir jetzt darüber Gedanken?’ fragte sich Josie. Ihr Knie bedurfte zwar eigentlich einer richtigen Operation, doch darauf nahm in der jetzigen Situation keiner mehr Rücksicht. Eine starke Bandage mußte reichen und so gehörte Soldatin Josephine Lee seit zwei Tagen wieder zu ihrer alten Einheit. „Alpha an Hotel und Juliett, bis zu den Gebäuden vorrücken!“ Geduckt, das Gewehr im Anschlag, schlich sich Josie an die Scheune heran. An der nördlichen Wand standen drei Ölfässer, falls jemand in diese Richtung schoß konnte das gefährlich werden. Im Wohnhaus brannte eine kleine Lampe, warum waren die Leute nicht geflohen? „Juliett, in Position.“ meldete Josie. Das stimmte nicht ganz, sie hielt lieber etwas Abstand. Vielleicht floh ja jemand und einer dieser schießwütigen Typen traf eines der Fässer. „Hotel, in Position.“ Das war dieser Perversling Parson, der paßte besonders gut zu Pike. Beide schienen einen Wettstreit um die meisten Vergewaltigungen auszutragen und prahlten auf dem Marsch ständig damit herum. „Alpha an Bravo und India, bis zu den Gebäuden vorrücken!“ Schnell und dennoch leise näherte sich Sergeant Slater dem kleinen Häuschen mit dem Abort. Irgend etwas war seltsam daran, aber vielleicht lag es ja daran, daß es nagelneu, aber aus alten Brettern, gebaut schien. Und es war ziemlich weit vom Hintereingang entfernt. Seltsam, wo man in dieser Gegend doch immer mit Bloodcats rechnen mußte. „Bravo, in Position. Habe den Hintereingang im Visier.“ „India, in Position.“ Auf diesen Tanner war Verlaß, in den letzten Wochen hatten sie ihn zur perfekten Killermaschine gemacht. Slater grinste unwillkürlich, als er daran dachte, wie sich Tanner übergeben mußte als sie das erste mal eine Farm heimsuchten. Da wäre er beinahe desertiert, doch kurze Zeit später hatte er sich an solche Dinge gewöhnt. Die Leute mußten ja sowieso sterben, also warum sollte er nicht seinen Spaß haben? Soldatin Lee war offensichtlich ein ähnlicher Fall, sie hatte es nicht besonders eilig, auf ihren Posten zu kommen. Doch das war kein Problem, sicher gab es auch heute wieder ein paar Gefangene. Slater sah es schon vor seinem geistigen Auge: Cutter würde ihr sein scharfes Messer geben, sie würde lange zögern, aber sie würde es tun. Es würde ihr nicht gefallen, wahrscheinlich würde sie nachher kotzen und heulen, doch sie würde es tun. „Alpha an Charlie, zur Rückseite des Wohnhauses! Alpha an Foxtrot, bist zum Stall vorrücken!“ Eileen Harrows organisierte den Angriff, als ginge es um ein militärisches Objekt, nicht um einen schäbigen Bauernhof. Schließlich war es die letzte ‘Übung’ vor dem Angriff auf Balime, und dort konnte jeder Fehler der letzte sein. „Charlie, in Position.“ „Foxtrot, in Position. Alle Eingänge im Blickfeld, niemand zu sehen.“ „Alpha an Echo, zur Ecke des Wohnhauses!“ Durch sein UV-Sichtgerät sah Slater, wie Diego Vargas zum Haus schlich und sein Gewehr erst auf die Scheune und dann auf den Stall richtete. Eileen Harrows und Pike knieten hinter den Strohballen. Es war an der Zeit, die Nebengebäude zu überprüfen und anschließend das Haus zu stürmen. Es war erst wenige Minuten her, daß Hector Perez das verdächtige Geräusch gehört hatte. Durch sein Lauschmikro konnte er deutlich mehrere Personen ausmachen, die um den Stall herumschlichen. Hector lag im Stroh zwischen zwei Kühen, die Mac-10 auf den Eingang gerichtet. Die Tür öffnete sich, zuerst sah er den roten Lichtstrahl eines Laserpointers. Ein Mann in der schwarzen Uniform der Elitetruppe, schlüpfte herein. Er sah sich kurz um, rechnete aber wohl selbst nicht damit, jemanden zu entdecken. So entdeckte er Hector Perez auch nicht, obwohl er nur wenige Meter entfernt war. Dreimal schoß Perez dem Soldaten mitten ins Gesicht, ohne ein Geräusch sackte er zusammen. ‘Du Schwein hättest einen weitaus qualvolleren Tod verdient!’ dachte Hector Perez, dann nahm er dem Toten das Headset ab und horchte auf den Funkverkehr der Angreifer: „...hier Cutter - äh, Charlie. Ich gehe durch die Hintertür rein und mache ein paar Schnitte...“ Diese Stimme, dieser Name - nie würde er sie vergessen. Cutter, der Mann mit dem Skalpell. Der Mann, der so viele Menschen verstümmelt hatte. Der Mann, der auch Hector Perez’ Ohren in seiner Sammlung hatte. War Eduardo wachgeblieben? Hoffentlich. „Alpha an India, check die Scheune!“ „Alpha an Foxtrot, was ist los?“ Gleich würden sie merken, daß etwas nicht stimmte. „Alpha, an Foxtrot, hast du was gefunden? Mach endlich Meldung, Soldat Andrews!“ „S-c-h-e-i-ß-e!!!“ Das klang wie Cutter. „Bravo, Charlie scheint in Jauchegrube gefallen zu sein.“ meldete jemand. Es war an der Zeit, das Feuerwerk zu beginnen. Hector drückte auf den Auslöser der Fernzündung, zeitgleich gingen drei Sprengsätze hoch. Devin Connell hatte nicht zuviel versprochen. Im Moment der Explosionen warf sich Hector gegen die Stelle in der Rückwand des Stalls, die er vorher als Notausgang präpariert hatte. Diego Vargas traute seinen Augen nicht. Eine Explosion zerriß den Haufen Strohballen, gleichzeitig explodierte auch der alte Jeep neben der Scheune. Die Wucht dieser Detonation schleuderte Parson durch die Luft und gegen die Stallwand. Vom explodierten Strohhaufen rannte eine Person als lebende Fackel davon und stürzte nach einigen Metern zu Boden. Die Schreie waren fürchterlich, es war nicht mal herauszuhören ob es ein Mann oder eine Frau, also Pike oder Captain Harrows, war. Auch hinter dem Wohnhaus schien etwas explodiert zu sein. Gerade als die Bomben hochgingen hatte Tanner die Tür der Scheune geöffnet und war schnell hineingestürmt. Täuschte sich Diego, oder hatte sein junger Kamerad aufgeschrien? „Bravo hier, bin leicht verwundet. Mir ist das Scheißhaus um die Ohren geflogen. Erbitte Statusbericht.“ „Echo, bin okay, Alpha oder Delta oder beide hat’s erwischt.“ antwortete Vargas. „Juliett, okay.“ „Hotel... ich... oh Gott...“ „Cutter, sitze hier immer noch voll in der Scheiße!“ Keine Antwort von Alpha, Delta, Foxtrot und India. Nachdem die Sprengsätze hochgegangen waren kroch Eduardo Estevez in seinen Fluchttunnel. Er hätte die Explosionen auch vom Haus auslösen können, doch Hector war ihm zuvorgekommen. Jetzt war es Zeit zu verschwinden und aus der Ferne zu beobachten, wieviele dieser Schweine sie erwischt hatten. Knapp zehn Meter östlich vom Haus endete der Tunnel. Als er herauskroch sah Estevez einen Soldaten, der vom zerstörten Toilettenhäuschen in Richtung der Jauchegrube humpelte. Am liebsten hätte er ihm eine Schrotladung hinterhergeschickt, doch das hätte der Schutzweste wenig geschadet und ihn verraten. Eduardo wandte sich zur Flucht in östliche Richtung und blickte in die Mündung eines Gewehrs. Seine Hände umkrampften die Schrotflinte. Lebend würden sie ihn nicht bekommen. Eduardo Estevez betrachtete sein Gegenüber, das in der Dunkelheit kaum zu sehen war: Schwarzer Helm, schwarze Weste, auch das Gesicht und die nackten Arme waren geschwärzt. Es war eine weibliche Bestie, einen Kopf kleiner als er, doch deshalb nicht weniger gefährlich. Er erwartete den Tod, doch überraschenderweise machte die Soldatin einen Schritt zurück. Sie hielt die Waffe auf ihn gerichtet, doch sie flüsterte „Verschwinde!“. Nachdem der Mann im Wald verschwunden war rannte Josie zum ersten Explosionsort. An der Wand, neben dem zerstörten Jeep, lag Ken Parson. „Ich...“ wimmerte er, „... spüre meine Beine nicht. Oh... Gott...“ Sein Rückgrat war gebrochen, als er gegen die Hausecke geschleudert wurde. Am Eingang der Scheune war eine Fallgrube, darin lag ein gepfählter Steve Tanner. Im Stall fand Josie einen weiteren Toten, sein Gesicht war nach mehreren Einschüssen nicht mehr erkennbar, doch es klar, daß es der Scharfschütze Tex Andrews war. Der andere Scharfschütze, Diego Vargas, kümmerte sich um eine verwundete Person. Es war die Kommandeurin, Eileen Harrows. Sie hatte üble Brandwunden, auch im Gesicht. Einige Meter entfernt lag eine weitgehend verkohlte Leiche. Ein stark tätowierter Arm war noch erkennbar, es war Pike. Wer sollte es auch sonst sein? Vom Wohnhaus her kamen ein humpelnder Slater und ein stinkender Cutter. Sie hatten niemanden mehr im Haus vorgefunden. Hector Perez betrachtete die Szene aus einiger Entfernung. Es schienen noch vier Gegner kampffähig zu sein, zu viele um einen Angriff zu wagen, immerhin waren das Elitesoldaten. Er machte sich auf die Suche nach Eduardo. Es waren keine Schüsse gefallen, also hatten sie ihn nicht entdeckt. In etwa drei Stunden konnten sie in Alma sein. „Wir müssen die anderen über Funk informieren.“ sagte Eileen Harrows. Sie war kaum fähig, zu sprechen. „Geht nicht, das Funkgerät ist mit Pike verbrannt.“ antwortete Slater. „Hoffentlich schaffen sie’s auch ohne uns. Also... Cutter und Vargas, ihr beiden werdet mich tragen müssen. Wir müssen den geheimen Stützpunkt an der Südküste erreichen.“ „Was wird mit Parson? Er kann nicht laufen und ohne Trage nicht transportiert werden.“ „Erschießen Sie ihn, es ist das beste für alle Beteiligten!“ 18. August 1999, 4:45 San Mona (Kingpins Haus) „Sie haben also kläglich versagt?!“ wütend betrachtete Peter Klaus die drei Profikiller, die vor wenigen Minuten in San Mona eingetroffen waren. „Die sind zu viele und zu gut ausgerüstet.“ entschuldigte sich Tyrone Banks, „Und sie haben hunderte Milizionäre, die ihnen den Rücken freihalten. Wir haben’s versucht, doch Jack, Ray und Jim haben es mit dem Leben bezahlt.“ Das Schlimmste war, daß der Killer recht hatte, die Rebellen waren einfach zu stark geworden. Es war ein Fehler gewesen, ihnen den Krieg zu erklären. Tyrone und seine Leute waren erfahrene Profis, und wenn sie es nicht schafften, wer dann? Es schaffte ja nicht mal Deidrannas Elitetruppe. Während er nachdachte, kam plötzlich Madame Layla hereingestürmt. „Sie sind da, sie sind im Bordell...“ „Wer ist da?“ „Diese Söldner, wer denn sonst? Wahrscheinlich wollen sie zum Waffenhändler, Billy hat sie gesehen...“ „Ich kann mir nicht vorstellen, daß sie so dumm sind. Vielleicht irrt sich ja dieser Dummschädel.“ „Nein, verdammt noch mal! Sie haben ihn erschossen.“ „Nun, jetzt werden sie merken, daß sie an den falschen Mann geraten sind... Damon, du weckst Gary, Karl, Walter, Dietrich und Irma. Ich will, daß sie in zwei Minuten bewaffnet hier sind. Layla, du rennst zu Darren, ich brauche seine Schläger und natürlich ihn selbst und Spike.“ Iggy, Meltdown, Hitman, Maddog und Dimitri waren mit Hamous und seinem Eiswagen nach San Mona gekommen. Es war eine eigenmächtige Entscheidung, der Rest der Truppe war mit dem Hummer zwischen Alma und Cambria liegengeblieben und konnte ihnen nicht helfen. Beide Fahrzeuge und der Hubschrauber waren ständig im Einsatz, um Waffen und Material zu transportieren sowie um Milizionäre zu den gefährdetsten Stellen zu bringen. Vorgestern nachmittag hatten die Söldner noch im Sumpf südöstlich Balimes eine Militäreinheit, die offenbar die Stadt angreifen sollte, überraschen können. Sie hatten den Anführer und drei weitere Soldaten gefangengenommen, die restlichen acht Männer fanden den Tod. Da ja außerdem die Miliz durch Hector Perez’ Eigeninitiative dem Treiben der kleinen, aber besonders brutalen Eliteeinheit ein Ende gesetzt hatte, war der Südosten des Landes jetzt sicher in der Hand der Rebellen. Es also an der Zeit, auch den Nordwesten zu sichern, und da war ein gewisser Kingpin im Wege. Es waren keine Gäste mehr da, Frank wischte noch schnell den Tresen ab. Da er fast ohne Schlaf auskam, hatte er keine Angestellten. Beide Türen standen offen um die frische Nachtluft hereinzulassen. Plötzlich rief vor dem nördlichen Eingang jemand „Da sind sie!“ Frank erkannte den Rufer an der Stimme, es war Karl, einer von Kingpins Männern. Im selben Moment hörte der Barmann eine Kugel pfeifen, Karl schrie auf und schien in Deckung zu gehen. Wer konnte das sein, doch wohl nicht diese verdammten Söldner? Frank griff unter die Theke, dort wo andere Barkeeper eine abgesägte Schrotflinte aufbewahrten hatte er ein Sturmgewehr, schließlich war man ja in Arulco. Hitman hatte den Mann nicht voll erwischt. Obwohl er die schallgedämpfte Dragunov benutzte wurden sofort weitere Gegner auf den Plan gerufen. Einer, der um die Hausecke kam, wurde von Maddogs AKM durchsiebt. Auf der anderen Seite der Bar tauchten zwei bewaffnete Frauen auf, bevor jemand feuern konnte kam auch noch Frank, der Barmann, dazu. Er hatte eine Steyr AUG in der Hand und sagte drohend „Geschmeiß ist hier nicht erwünscht!“ „Wollt’ ich auch gerade sagen!“ antwortete Meltdown und schoß ihn über den Haufen. Olga Statova feuerte mit ihrer Kalaschnikov quer durch die Bar, Irma versuchte es mit ihrer Thompson. Allerdings waren die Söldner im Dunkeln schwer auszumachen. Die Söldner schienen auch im Dunkeln gut zurechtzukommen, ein Geschoß riß Olga ein Stück Fleisch aus dem Oberarm. Sie zog sich nach links zurück und mußte mit ansehen, wie Irma erschossen wurde. Ein wütender Karl stürmte daraufhin vor und wurde ebenfalls von den Söldnern zur Strecke gebracht. An der Hausecke tauchten zwei weitere Bewaffnete auf, sie wurden allerdings sofort von den Söldnern beschossen und zum Rückzug gezwungen. Überhaupt schienen Kingpins Schergen die Flucht anzutreten, nur einer war nicht schnell genug und wurde von Dimitri erschossen. „Das ist dieser Spike, der Türsteher vom Club.“ stellte Hitman fest. „Da werden wir als nächstes dem Club einen Besuch abstatten.“ schlug Meltdown vor. Plötzlich tauchte ein muskelbepackter Mann mit einer Schrotflinte auf, es war einer von Darren Van Haussens Faustkämpfern. Hitmans Kugel traf ihn genau in die Stirn. „Wir machen einen großen Bogen,“ sagte Hitman Hennessy, „und dringen von der Frontseite aus in den Club ein.“ Leider hatte keiner daran gedacht, Sprengstoff mitzubringen. Im Dunkeln vor den Söldnern tauchte eine Gestalt, Hitman und Meltdown schossen mit ihren schallgedämpften Waffen. Der Mann schrie auf und zog sich zurück. Danach nahm Igmus Palkov den ersten Mann, den er in Darren Van Haussens Club entdeckte, unter Dauerfeuer. Er starb bevor er begriff, woher die Schüsse kamen. Inzwischen hatte Kevin ‘Maddog’ Cameron den „Rattenarsch“, wie er es zu nennen pflegte, den Hitman und Meltdown angeschossen hatten, entdeckt und erschossen. Anschließend nahmen die sechs Angreifer das Innere des Clubs solange unter Beschuß, bis sich nichts mehr rührte. Hitman und Iggy drangen ein, fanden aber nur eine weiter Leiche, den Faustkämpfer Nat, vor. Der Wirt hatte sich glücklicherweise unter den Tresen verkrochen und weitere Gäste waren nicht anwesend. „Die machen uns völlig fertig!“ jammerte Darren van Haussen, „Wir sollten durch den Gang in die Mine verschwinden.“ Wie zur Bestätigung splitterte eine Fensterscheibe an der westlichen Stirnseite von Kingpins Haus, eine kurze Salve krachte und Olaf Helinski brach tot zusammen. Bevor jemand das Feuer erwidern konnte war der Schütze schon wieder verschwunden. Tyrone Banks und Olga Statova schlichen durch die Hintertür hinaus. Tyrone entdeckte den ersten Angreifer und eröffnete das Feuer. Getroffen brach er zusammen und wurde von seinen Kameraden zurück um die Hausecke gezogen. „Soll ich mich von Süden her anschleichen?“ fragte Olga. „Wir schleichen beide nach Süden.“ entschied Tyrone, „Aber nicht an, sondern weg!“ „Bleib hier liegen!“ Maddog mußte so schnell wie möglich nach Cambria ins Hospital. Die anderen fünf schlichen an der Rückseite des Hauses vorbei zur Hintertür. Der Schütze, der Maddog erwischt hatte, hatte sich offenbar zurückgezogen und die Tür stand offen. Hitman hielt inne, grinsend brachte er die Dragunov in Stellung. Er hatte Kingpins persönlichen Leibwächter Damon entdeckt, dieser kniete vor der Eingangstür und hielt angestrengt nach vorn Ausschau. Die tödliche Kugel für ihn kam leise, und sie kam von hinten. Peter Klaus, genannt Kingpin, wußte, daß er verloren hatte. Damon war tot, seine sonstigen Männer und Frauen waren ebenfalls tot oder geflohen. Darren und Layla hatten sich in die alte Mine zurückgezogen. Er selbst kniete im hintersten Winkel seines Hauses, die Steyr in der Hand. Erschießen konnten sie ihn hier nicht, jeden, der um die Ecke kam, würde er zuerst sehen. Vielleicht konnte er einen Handel machen? Aber womit eigentlich? Gut, er hatte viel Geld auf dem Konto, aber da kam er jetzt nicht ran. Andererseits, das waren ja Söldner, denen ging es ja nur um persönlichen Gewinn. Wenn er mit ihnen gemeinsam nach Tracona zur Bank ging... „He, ich habe einen Vorschlag zu machen.“ rief er. Niemand antwortete, statt dessen landete scheppernd etwas zwei Meter neben ihm. Sekunden später setzte das Senfgas dem Leben des Herrschers von San Mona ein Ende.